Gedichte (Lyrik)

Zum Versmaß

Ein Gedicht besteht meist aus mehreren Strophen (Abschnitten)

Jede Strophe setzt sich aus mehreren Versen (Zeilen) zusammen.

Jeder Vers besteht aus rhythmischen Einheiten betonter und unbetonter Silben, den Versfüßen (Takten).

Diesen Rhythmus nennt man Versmaß oder Metrum.

Man unterscheidet vier verschiedene Arten:

  • den Jambus (unbetont -betont) Jasmin, Gedicht

  • den Trochäus (betont - unbetont) Torge, Flora, Vendrik, Henning, Rico

  • den Anapäst (unbetont, unbetont - betont) , Katharina, Anabel, Anapäst

  • den Daktylus (betont - unbetont - unbetont) Fabian, Joschua, Annika, Daktylus
Ein Vers kann zwei bis acht betonte Silben (Hebungen) enthalten, also  aus zwei bis acht Versfüßen (Takten) bestehen.
 

 zweihebiger Vers (Kinderlied):  Lütt Mat-ten de Has
de mak sik en Spaß

 dreihebiger Vers (volksliedartig):  Der Mond ist auf-ge-gan-gen
die gold-nen-Stern-lein pran-gen

 vierhebiger Vers:  es war ein-mal ein Lat-ten-zaun
mit Zwisch-en-raum hin-durch-zu-schaun

 funfhebiger Vers (Blankvers):  
   


Zum Reim

In vielen Gedichten reimen sich die Verse.
Reime sind Wörter, deren betonte Silbe den gleichen Vokal und den gleichen Auslaut haben.
Sie können auf verschiedene Art angeordnet sein:
 
 Paarreim     AA, BB      Kreuzreim     ABAB     Umarmender Reim     ABBA    
    ... Kind
    ....Wind
    ....Meise
    ....Reise
     ....Kind
     ....Meise
    .....Wind
    .... Reise
     ....Kind
    .....Meise
    .....Reise
    .....Wind


Einige Rhetorische Figuren

Personifikation

„Mutter Natur”

Vermenschlichung →Allegorie

Metapher

„Das Feuer der Liebe”
„Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens”

Bedeutungsübertrageng. 

Zwei Begriffe aus Bereichen, die sonst nichts miteinander zu tun haben werden verbunden.

 Dadurch ergibt sich eine neue Bedeutung

Vergleich

„Achill ist stark wie ein Löwe”

Zwei Begriffe werden durch das Wort "wie" verknüpft. Das Gemeinsame wird betont.

Sympol

„Kreuz” als Symbol für den christlichen Glauben
„Krone” als Symbol der Macht

Ein Sinnbild, meist ein konkreter Gegenstand der für etwas Allgemeines steht.

Anapher

„Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll”

Wiederholung wichtiger Wörter an Satz oder Versanfängen

Alliteration

(Stabrreim)

”Ist der Zug der Zeit auch am Entgleisen"

Zwei oder mehrere Worte oder SIlben beginnen mit dem gleichen Laut.

Umstellung (Inversion)

„Unendlich ist die jugendliche Trauer "

Veränderung der üblichen Wortstellung, so dass das zu betonende Wort am Anfang (oder am Ende) des Satzes steht

Parallelismus

„Schnell lief er hin, langsam kam er zurück”

Wiederholung gleicher Satzstrukturen


Das lyrische Ich

ist der Sprecher/die Spre­cherin in einem Gedicht.
Dieser ist nicht zu verwech­seln mit dem Autor/der Autorin! Wenn  in Gedichten in der 1. Person Singular (ich) gespro­chen wird, passiert das leicht.
Das lyrische Ich spricht zu einem Adressaten. Dieser/diese kann eine konkrete Person, eine bestimmte Gruppe sein, es können aber auch alle Menschen sein.Oft wird auch deutlich, in welchem Verhältnis Sprecher (also das lyrische Ich) und Ange­sprochene (der Adressat) zueinander stehen und in welcher Sprechsituation sie sich befinden.
Der Leser ist hier Zuhörer.Er erfährt so die Gedanken und Gefühle des lyrischen Ichs unmittelbar. Diese entsprechen nicht zwangsläufig denen des Autors.


Verschiedene lyrische Formen

Das Lied ist ein Gedicht mit relativ kurzen Versen, die sich reimen. Meistens besteht es aus mehreren Strophen . Zuweilen ist ein Refrain (= Kehrreim) zu finden, d. h.  ein oder mehrere Verse wiederholen sich an einer bestimmten Stelle jeder Strophe.

Song,  Der Song richtet sich oft satierisch gegen literarische und politische Missstände. Er verwendet vielfach Alltagssprache und folgt selten Normen.Der Song will belehren, provozieren und eine Änderung des Bewusstseins bewirken.


Sonett, Die traditionelle Bauform des Sonetts besteht aus zwei Quartetten (Vierzeilern)mit dem Reimschema  a b b a, a b b a, gefolgt von zwei Terzetten (Dreizeilern),die unterschiedlichen Reimschemata folgen könne. (c d e, c d e,oder c d c , d c d oder c d e, d c e).  . Das erste Quartett führt gewöhnlich in das Thema ein (These), dem im zweiten ein gegensätzlicher Gedanke folgt (Antithese). Die beiden Terzette bringen beide Gedanken zu einer Synthese. Diese strenge Bauform war vor allem im Barock verbreitet, wird aber bis heute genutzt


Ballade ist eine Mischung aus Gedicht (lyrische Form, Reime und Strophen), Theaterstück (dramatische Dialoge) und Erzählung, oft  eines ungewöhnlichen, geheimnissvollen,  und tragisches Geschehens. Oft spielt die Natur eine wichtige Rolle z.B. im "Erlkönig" und in "Der Knabe im Moor".  Goethe und Schiller entwickelten die klassische Kunstballade.


Haiku, ein japanisches Naturgedicht in strenger Form aus drei Versen zu 5 - 7 - 5 Silben.




Eine Gedichtinterpretation schreiben

    1. Schritt: Erste Eindrücke notieren

  1. Notiere alle Vorstellungen oder Erwartungen, die du mit dem Titel verbindest.

  2. Halte dein Verständnis nach dem ersten Lesen schriftlich fest.
  3. 2. Schritt:  Das Gedicht genau untersuchen, Textanalyse

    • Bei der Textanalyse werden Inhalt, Aufbau und sprachliche Gestaltung des Gedichts untersucht:
    • die einzelnen inhaltlichen Aussagen des Gedichts
    • die Art und Weise ihrer Formulierung (Wortwahl, Satzbau, Bilder, Lautmalerei)
    • Sprecher/-in (lyrisches Ich) und Adressat/in
    • Stropheneinteilung,Reimschema, Versmalß (Metrum, Rhythmus)
    • Titel des Gedichts

  4. Markiere Auffälliges zu den genannten Aspekten und versiehden Text mit Randbemerkungen..

  5. Fasse den Inhalt des Gedichts schriftlich zusammen.

  6. Untersuche und notiere die Art und Weise, wie die Aussagen im Gedicht formuliert sind - z. B. direkt oder indirekt (bildlich, durch Spott, Ironie ...).

  7. Untersuche und notiere die verwendeten Stilmittel (rhetorische Mittel, gehobene/ saloppe/ Umgangssprachliche Wortwahl, Satzbau, Wechsel der Sprachebenen, Wiederholungen usw.). Erläutere, wie die Stilmittel zur Wirkung des Gedichts beitragen..

  8. Untersuche und notiere die Bauform des Gedichts (zum Beispiel Stropheneinteilung, Reimschema).

  9. 3. Schritt: Die einzelnen Ergebnisse geordnet aufschreiben(Gliederung und Text)

    In diesem Schritt überarbeitest du die Ergebnisse der Textanalyse, indem du sie in einen zusammenhängenden Gedankengang stellst und dabei noch genauer zu fassen versuchst.

  10. Erstelle zunächst eine ausführliche Gliederungdeiner Analyseegebnisse
  11. Die Einleitung. sollte neben der Vorstellung des Autors eine knappe Antwort auf die Frage „Worum geht es in dem Gedicht?" enthalten.

    Für den Hauptteil greift man auf deine bisherigen Analyseergebnisse zurück. (Lasse dabei Raum für spätere Korrekturen.)

    Im Schlussteil formuliert man eine persönliche Stellungnahme. Damit  rundet man seine Gedichtinterpretation ab. Sie kann eine persönliche Beurteilung, Würdigung oder Kritik enthalten. Auch ein Vergleich mit anderen Werken (Gedichten, Texten mit ähnlichem Thema, vom selben oder von anderen Autoren) ist möglich.

    4.Schritt: Überarbeitung der Gedichtinterpretation.


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